Cheap Indiana Jones 3 - Der Letzte Kreuzzug Discount Review Shop
Ich weiß, ich weiß - bei einem so beliebten Film nicht die Höchstwertung zu zücken, wird von manchen wahrscheinlich als Sakrileg empfunden werden. Trotzdem, auch auf das Risiko hin, mir Prügel einzuhandeln, denke ich doch, dass fünf Sterne für "Indiana Jones 3" nicht gerechtfertigt sind. Das will ich natürlich auch gerne begründen.
Zunächst einmal: selbstverständlich ist "Der Letzte Kreuzzug" ein klasse Unterhaltungsfilm, und das ist ja auch das, was letztlich zählt. Sean Connery verabschiedet sich hier mit so merklicher Freude von seinem Image als ehemaliger Supermann, dass man ihm den weltfremden Bücherwurm mit zwei linken Händen in jeder Szene abnimmt. Aufgrund seiner natürlichen Autorität fällt gar nicht auf, dass Sean Connery eigentlich kaum als Vater des nur zwölf Jahre jüngeren Harrison Ford in Frage käme. Des weiteren ist der Film an vielen Stellen wirklich witzig. Über die Szene im Zeppelin ("no ticket") kann ich auch heute noch lachen. Oder dass mitten in Österreich im Wald ein englischsprachiger Wegweiser steht, auf dem es links nach "Venice" und rechts nach Berlin geht, ist auf herrliche Weise dämlich (zumindest hoffe ich inständig, dass das als Gag gedacht war ...).
Gleichzeitig muss ich gestehen, dass ich mich nie so recht für die "Indiana Jones"-Filme habe begeistern können, auch damals als Jugendlicher nicht. Das ist ein Dilemma: einerseits sind die ganzen Falltüren und Zahnräder und herunterrollenden Pappmaché-Felskugeln ja gerade das Lustige an den Geschichten, andererseits wirken die meisten Special Effects so unglaublich künstlich, dass darunter die historische Atmosphäre etwas leidet. Ich kann immer nur den Kopf schütteln, wenn TV-Zeitschriften solche Filme allen Ernstes als "spannenden Geschichtsunterricht" ankündigen - mit Geschichte hat die ganze Story so wenig zu tun wie die Muppets Show mit Shakespeare. "Indiana Jones"-Filme sind eher wie eine spektakuläre und höchst unterhaltsame Achterbahn-Fahrt auf dem Jahrmarkt, und das ist ja auch schon etwas Wert.
Trotzdem: man kann am "Letzten Kreuzzug" gut sehen, weshalb Steven Spielberg in den 80er Jahren zwar kommerziell überaus erfolgreich war, aber im künstlerischen Sinne nicht richtig ernst genommen wurde. Das liegt unter anderem daran, dass er sich immer wieder Fehler leistet, die einem Regisseur dieses Formats einfach nicht unterlaufen dürfen. Harrison Ford steigt klitschnass aus den venezianischen Katakomben, aber das wertvolle Papier in seiner Hosentasche ist knochentrocken und in bestem Zustand? Na ja, geschenkt. - Ein Ritter sieht nach 800 Jahren zum ersten Mal einen Menschen und spricht mit ihm lupenreines, modernes Englisch? Künstlerische Freiheit, von mir aus. - "Deutsch-österreichische Grenze", im Sommer 1938? Jetzt tut's schon langsam weh (Österreich existierte zu jenem Zeitpunkt gar nicht mehr als Staat). Völlig unfassbar ist aber, dass der Archäologe Indiana Jones eine Inschrift aus dem 12. Jahrhundert als "early Latin text" einordnet - also als "frühes Latein", welches bekanntlich etwa 1500 Jahre früher anzusiedeln ist. Das ist so abgrundtief peinlich, als würde jemand behaupten, der 2. Weltkrieg habe im 19. Jahrhundert stattgefunden oder Paris sei die Hauptstadt von Spanien. Ein Glück nur, dass die deutsche Synchronisation diesen Teil aus gutem Grund nicht mitübersetzt hat.
Dass die Nazis durch die Bank als Comic-Bösewichter mit überschaubarer Intelligenz durch die Geschichte stapfen, hat mich persönlich weniger gestört. Michael Byrne als stahläugigen Deutschen fand ich sogar richtig klasse. Überhaupt muss man sagen, dass die Geschichte - abgesehen von den oben erwähnten logischen Aussetzern - ausgezeichnet erzählt ist. Das Gefühl für das richtige Tempo eines Film war schon immer eine der größten Stärken von Spielberg, und das stellt er hier erneut unter Beweis. Vor allem gefällt mir, dass er wirklich bestrebt ist, sich mit seinen verschiedenen Schauplätzen zu beschäftigen und der Story an jedem Ort die richtige Zeit zu geben. Einzig dem Schlenker nach Berlin merkt man an, dass er allein für den (dafür aber ziemlich genialen) Hitler-Gag ins Skript eingefügt wurde.
Fazit: Abenteuer-Popcorn-Kino mit hohem Unterhaltungswert, welches in zwanzig Jahren um keinen einzigen Tag gealtert ist. Vereinzelte logische Aussetzer trüben das Bild ein wenig, allerdings auch nur, wenn einem solche Sachen in einem Unterhaltungsfilm überhaupt wichtig sind. Available at Amazon
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